Arbeitsschutz – Teil 1

Erste Hilfe

Umgang mit Bagatellverletzungen

Wie schnell ist es passiert, ein Unfall bei der Arbeit.
Zum Glück ist es ja so, dass die allermeisten Unfälle Bagatellunfälle sind, man schneidet sich z.B. mit einem Blatt Papier in die Zeigefingerspitze, ein unangenehmer, kleiner Schmerz, oft verbunden mit heftiger Blutung – ja, und dann? Erst mal verbinden, klar. Aber, dann geht es schon los: wo ist eigentlich der Verbandskasten? Ist der in der Nähe oder muss man sich da erst durchs ganze Haus, vielleicht sogar über mehrere Etagen, verletzt hinschleppen? Dann hat man ihn zwar gefunden, aber das Pflaster ist gerade alle. Man könnte einen Mullverband anlegen, macht man nicht, ist zu aufwändig, man behilft sich mit einem Tempotaschentuch oder einem Blatt Klopapier, um die Blutung zu stillen.

Alles suboptimal, aber dann geht es so weiter. Eine Verletzung, die man sich bei der Arbeit zugezogen hat, und erscheint sie einem noch so banal, sollte dokumentiert, nicht ignoriert werden. Dazu dient das Verbandsbuch. Eine Eintragung der Verletzung ins Verbandsbuch hat die gleiche Rechtswirkung wie eine große Unfallanzeige bei ernsteren Verletzungen. Falls sich Finger und Arm wegen der mangelhaften Wundversorgung oder in Ermangelung einer Tetanusimpfung in den folgenden Tagen irgendwie interessant verfärben sollten, kann man eine Unfallanzeige nachschieben und den Eintrag im Verbandsbuch als rechtsverbindlichen Beleg dafür heranziehen.

Warum ist es so wichtig, wenn man verunfallt, dass das möglichst im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung passiert? Weil man dann wirklich gut aufgehoben ist.
Die Unfallversicherung hat ein großes Interesse daran, dass der Verunfallte möglichst schnell wieder gesund wird, weil sie keine Verdienstausfälle und keine Renten bezahlen will. Darum flicken die einen nach allen Regeln der medizinischen Kunst schnell und nachhaltig wieder zusammen. Das liegt auch ganz in unserem Interesse als Versicherte.

Was bedeutet die kleine Geschichte nun für uns alle?

Bitte informieren Sie sich am besten bevor ein Unfall geschieht über die Lage des nächsten Verbandskastens und Verbandsbuch. Beides muss in einer zumutbaren Reichweite sein. Wenn Sie z.B. beim anlassbezogenen Öffnen des Verbandskastens feststellen, dass kein oder nur noch wenig Heftpflaster vorhanden ist, sagen Sie nicht „ist nicht mein Problem“ sondern melden Sie das beim nächsten Ersthelfer, Ihrem Vorgesetzten oder bei unserer Medical & Safety.

Wenn Sie sich verletzen, bitte tragen Sie in eigenem Interesse alle Verletzungen, auch banal erscheinende, im Verbandsbuch ein. Man weiß ja nie. Es gilt die alte Regel: „Jede Entnahme aus dem Verbandskasten hat einen Eintrag im Verbandsbuch zu Folge.“ Das gilt z.B. auch für Umknicken mit dem Fuß, auch wenn man da nichts aus dem Verbandskasten entnimmt. Es könnte ja sein, dass ein verletztes Band am nächsten Tag durchreißt, dann liegt ein echter Arbeitsunfall vor, der angezeigt werden muss. Dann hat man u.U. Nachweisprobleme. Die Beweislast, dass der Unfall im Betrieb passiert ist, liegt beim Verunfallten. Natürlich können Sie sich auch zu Ihrem Hausarzt schleppen, aber, wie gesagt, der Vorzug der Unfallversicherung liegt auf der Hand.

Melden Sie alle Mängel, die Sie bei der Ersten Hilfe feststellen, aber auch Zweifel, die Sie zu diesem Thema haben, jederzeit gerne bei Ihrem internen Sicherheitsingenieur oder den Kolleginnen von Medical & Safety.

Und: Bleiben Sie gesund.
Uwe Lutz – Sicherheitsingenieur

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